Was psychologische Beratung wirksam macht

„Alle haben gewonnen und jeder soll einen Preis bekommen“

Dodo in "Alice im Wunderland" (Lewis Carroll)


Große Puzzleteile werden zusammengefügt

Worauf lässt sich die Wirksamkeit psychologischer Beratung eigentlich zurückführen? Dieser Frage möchte ich im vorliegenden Blog-Artikel auf den Grund gehen. Noch immer hält sich das (mal mehr und mal weniger ernst gemeinte) Vorurteil, dass Therapie und Beratung einem Kaffeekränzchen gleiche, bei welchem der/die Klient/in erzählt und der/die beratende Psychologe/in 50 Minuten aufmerksam zuhört, verständnisvoll mit dem Kopf nickt und ab und ein „therapeutisches Brummen“ („Mhm, verstehe!“) von sich gibt. Tatsächlich ist psychologische Beratung jedoch ein sehr interaktives Geschehen, bei dem gemeinsam verhaltensnahe Lösungen für konkrete Probleme erarbeitet werden, anstatt endlos nur über diese zu sprechen. Dabei kommen unterschiedliche Methoden und Techniken zur Anwendung. Diese wiederum unterscheiden sich, je nach der inhaltlichen Ausrichtung des Therapie- oder Beratungsprozesses.


Die Anzahl der beraterischen Ansätze und Methoden wird heutzutage jedoch zunehmend unüberschaubar. Angesichts dieser Fülle unterschiedlicher Angebote stehen Hilfesuchende oftmals vor der schwierigen Frage: „Welche Art der Beratung ist denn nun am erfolgreichsten?“ Die meisten beraterischen Fachkräfte würden auf diese Frage wohl antworten: „Na, meine eigene natürlich!". Und erstaunlicherweise lässt sich jeder dieser Einzelaussagen auch zustimmen. Denn tatsächlich scheint sich der Beratungserfolg in der Regel ganz unabhängig von der methodenspezifischen Ausrichtung der Beratung einzustellen, wie umfangreiche Forschungsergebnisse bestätigen.


So kamen Vergleichsstudien mit Hunderten von Therapieansätzen zu dem Ergebnis, dass alle Verfahren ähnliche große Effekte in der Reduktion psychischer Belastungen bewirkten*. Dieses Phänomen gleicher Wirksamkeit unterschiedlicher Therapieschulen wurde nach dem Vogel in Lewis Carroll‘s bekanntem Buch „Alice im Wunderland“ als „Dodo-Bird-Effekt“ bezeichnet. (Dieser veranstaltet im Buch als Schiedsrichter ein Wettrennen mit den verschiedenen Charakteren und verkündet im Anschluss freigiebig: „Alle haben gewonnen und jeder soll einen Preis bekommen!“).


Diese überraschende Erkenntnis lieferte jedoch noch keine Aussage über die Ursachen des Dodo-Bird-Effekts. Die Forschung stand vor einem Rätsel. Wie konnte es sein, dass ganz unterschiedliche Ansätze vergleichbare Ergebnisse hervorbrachten? Schließlich wurde erkannt, dass nicht die unterschiedlichen Techniken für den Erfolg ausschlaggebend waren, sondern allgemeine Faktoren, die über alle Therapieansätze hinweg ihre Wirkung entfalteten.


Der Schweizer Therapieforscher und Psychotherapeut Klaus Grawe identifizierte insgesamt fünf dieser allgemeinen Wirkfaktoren, die im Folgenden beschrieben werden.


1. Therapeutische Beziehung:

Die therapeutische Beziehung stellt aufgrund ihrer Wichtigkeit gewissermaßen den „König“ der Wirkfaktoren dar. Sie sollte durch gegenseitige Wertschätzung und Sympathie sowie Vertrauen und Professionalität gekennzeichnet sein. Ohne eine aufrichtige und stabile Passung zwischen Berater/in und Klient/in wird in der Regel keine der beraterischen Bemühungen und Interventionen fruchten. Sie ist somit die wichtigste Voraussetzung für einen erfolgreichen Beratungsprozess. In meinen psychologischen Online-Beratungen lege ich daher großen Wert auf eine wertschätzende und positive Arbeitsatmosphäre, in der ich meinen Klient/innen auf Augenhöhe begegne. Meist lässt sich bereits nach dem Erstgespräch abschätzen, ob eine gute Passung zwischen Ihnen als Klient/in und mir als Berater besteht und somit eine weitere Zusammenarbeit angestrebt werden soll.


2. Problemaktualisierung:

Ein weiterer allgemeiner Wirkfaktor nach Grawe ist die so genannte „Problemaktualisierung“. Konkret beschreibt dieser Begriff das unmittelbare Erleben und Bewusstwerden der zugrunde liegenden Problematik und ihrer Tragweite. Bei der gemeinsamen Auseinandersetzung mit der zugrundeliegenden Problematik wird diese greifbarer und nachvollziehbarer. Dass es im Zuge dessen vorerst zu einem verstärkten Auftreten bestimmter Emotionen oder Beschwerden kommt, ist ganz natürlich und oftmals notwendig für deren Überwindung. Ein Beispiel für die Problemaktualisierung wäre das zunächst verstärkte Auftreten von Angst beim Aufsuchen bestimmter Situationen, die zuvor konsequent vermieden wurden. Auf lange Sicht führt jedoch genau diese Aktualisierung der Problematik (in diesem Fall die Konfrontation mit der Angst) zu ihrer erfolgreichen Bewältigung.


3. Aktive Hilfe zur Problembewältigung:

Womit wir beim nächsten allgemeinen Wirkfaktor wären: Der aktiven Hilfe zur Problembewältigung. Als psychologischer Berater besteht meine Aufgabe unter anderem darin, Ihnen auf der Grundlage meines Fachwissens und meiner Expertise konkrete Wege zur Bewältigung Ihrer Probleme aufzuzeigen und Sie dabei aktiv zu unterstützen. Beispiele umfassen die Wissensvermittlung zur vorliegenden Problematik („Psychoedukation“) oder das Vermitteln spezifischer Kompetenzen und Fertigkeiten. Auf einer allgemeineren Ebene beinhaltet die Hilfe zur Problembewältigung auch die moralische Unterstützung und Motivation in herausfordernden Situationen. Durch eine verlässliche und bewertungsfreie Unterstützung meinerseits soll gewährleistet werden, dass Sie sich bei der Problembewältigung begleitet und ermutigt fühlen, anstatt „ins kalte Wasser geworfen“.


4. Ressourcenaktivierung:

Die erfolgreiche Problembewältigung wird jedoch noch durch einen weiteren entscheidenden Prozess im Rahmen der Beratung ermöglicht – die so genannte Ressourcenaktivierung. Je besser es gelingt, die individuellen Stärken, Fähigkeiten und Interessen der Klientin oder des Klienten spürbar zu machen und diese zur Zielerreichung zu nutzen, umso nachhaltiger werden die Erfolge sein. Die eigenen positiven Seiten und Kompetenzen zu erkennen und diese aktiv zur Problemlösung zu nutzen, fördert ein nachhaltiges Gefühl von Kontrolle und Selbstwirksamkeit. Daher lege ich großen Wert darauf, diese (jedem Menschen innewohnenden) Talente und Fähigkeiten meiner Klient/innen im Rahmen des Beratungsprozesses zu erkennen und zielgerichtet zu fördern.


5. Motivationale Klärung:

„Warum verhalte ich mich in bestimmten Situationen so, wie ich es tue und nicht anders?“ „Wie soll mein zukünftiges Leben jenseits der Angst aussehen?“ „Welche langfristigen Ziele möchte ich verfolgen?“ „Wofür möchte ich mich im Leben einsetzen?“. Die Klärung derartiger Fragen nach den eigenen motivationalen Hintergründen, Zielen und Werten stellt den fünften und letzten Wirkfaktor dar. Insbesondere die Bewusstmachung der persönlichen Werte und Lebensziele nimmt im Rahmen meiner psychologischen Online-Beratungen einen zentralen Stellenwert ein. Auch das Erkennen und Spiegeln unbewusster Glaubenssätze und „blinder Flecken“, die ungünstiges Erleben und Verhalten verursachen, ist oft wichtiger Bestandteil des Veränderungsprozesses im Rahmen meiner Beratungssitzungen.


Fazit:

Die genannten Wirkfaktoren stellen somit zentrale Grundvoraussetzungen für den langfristigen Erfolg jeder Form von Therapie und Beratung dar. Selbst eine noch so perfekte Technik oder Methode kann ihre Wirkung nicht entfalten, wenn diese nicht ausreichend berücksichtigt werden. Bevor Sie sich also aufgrund bestimmter Inhalte oder Methoden ein vorschnelles Urteil über die Qualität und Erfolgsaussichten einer Beratung bilden, achten Sie zunächst eher auf die Umsetzung der genannten Wirkfaktoren. Folgende Fragen können dabei eine erste Orientierung bieten, worauf Sie als Klient/in (etwa im Rahmen eines Erstgespräches) achten können:


  • Stimmt die „Chemie“ mit dem/r Berater/in? (Therapeutische Beziehung)

  • Wird das konkrete Problem versteh- und spürbar gemacht? (Problemaktualisierung)

  • Werden theoretische und praktische Hilfestellungen zur Überwindung der Problematik aufgezeigt? (Aktive Hilfe zur Problembewältigung)

  • Werden persönliche Ressourcen gefördert, anstatt auf Defizite zu fokussieren? (Ressourcenaktivierung)

  • Wird auf die (bewussten oder unbewussten) Beweggründe des eigenen Denkens und Verhaltens eingegangen? (Motivationale Klärung)


Möchten Sie sich einen persönlichen Eindruck von meiner Arbeitsweise verschaffen oder mehr über mein Beratungsangebot zur Überwindung von Ängsten erfahren? Dann kontaktieren Sie mich gerne zur Vereinbarung eines kostenlosen und unverbindlichen Kennenlerngesprächs. Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme!



*Quelle:

Wampold, B. E., Mondin, G. W., Moody, M., Stich, F., Benson, K., & Ahn, H. N. (1997). A meta-analysis of outcome studies comparing bona fide psychotherapies: Empiricially, "all must have prizes". Psychological bulletin, 122(3), 203.