Warum überhaupt Online-Beratung? – Mein Weg zum Online-Psychologen (Teil 2)

„Psychologische Beratung online? Kann so etwas überhaupt funktionieren? Und kann mir das wirklich dabei helfen, Ängste zu überwinden?“. In diesem Artikel möchte ich mich mit genau diesen Fragen auseinandersetzen und aufzeigen, welche Faktoren zu einer gelingenden Online-Beratung beitragen. Hierzu werde ich vier mögliche Befürchtungen hinsichtlich einer Online-Beratung aufgreifen und auf ihre Angemessenheit hin überprüfen, wobei auch persönliche Erfahrungen aus meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit als psychologischer Psychotherapeut einfließen sollen. Mit dem Begriff „Online-Beratung“ sind an dieser Stelle in erster Linie Beratungssitzungen per Videogespräch gemeint.



1. Kann ich mich als Klient/in überhaupt richtig öffnen im Rahmen einer videobasierten Beratung?

Diese Frage bezieht sich auf die Möglichkeit eines erfolgreichen Beziehungsaufbaus zwischen Berater und Klient/in im Rahmen einer Online-Beratung. Angesichts der vertrauensvollen Atmosphäre, die jede Form der Beratung erfordert, ist dieser Einwand natürlich nachvollziehbar. Dennoch kommt die Beratung per Video dank moderner Technik einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht heutzutage bereits sehr nahe. Neben den Gesprächsinhalten können auch nicht-sprachliche Informationen, also z.B. Mimik und Gestik gut per Video „transportiert“ werden. Zudem sind heutzutage bereits viele Menschen durch die private Nutzung von Videodienstanbietern (z.B. per Skype, Whats-App o.Ä.) mit deren Handhabung vertraut, was die Gesprächsatmosphäre gewohnter und damit in der Regel entspannter macht. Aus eigener Erfahrung würde ich sagen, dass der Beziehungsaufbau zwischen meinen Klienten/innen und mir online ein wenig mehr „Eingewöhnungszeit“ erfordert, als im direkten Kontakt („face-to-face“), was aber der Qualität der Zusammenarbeit keinerlei Abbruch tut.


Diese Beobachtung wird auch durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse untermauert. Eine zusammenfassende Auswertung mehrerer wissenschaftlicher Vergleichsstudien (1) kam zum Ergebnis, dass bei videobasierter Behandlung eine minimal niedrigere therapeutische Beziehungsqualität vorlag, als im persönlichen Kontakt (face-to-face) – was allerdings keine negativen Auswirkungen auf die Wirksamkeit der Behandlung zur Folge hatte.


2. Hilft psychologische Online-Beratung überhaupt bei Ängsten?

Die Wirksamkeit einer psychologischen Beratung hängt meiner Erfahrung nach kaum von der Tatsache ab, ob diese online oder offline stattfindet. Nichtsdestotrotz hat sich die wissenschaftliche Forschung in letzter Zeit auch mit dieser Thematik eingehend beschäftigt. In einer kürzlich durchgeführten Übersichtsarbeit (2) wurden klassische Face-to-Face-Therapien mit videobasierten Behandlungssitzungen verglichen in Bezug auf ihre Effektivität bei vorliegender Angstsymptomatik. Die Wirksamkeit wurde in 66% der verglichenen Studien belegt, und das unabhängig von der Art der Behandlung. In anderen Worten: Es macht keinen Unterschied, ob die Behandlung online oder offline stattfand – in beiden Fällen ergaben sich für die Mehrheit der Teilnehmenden klinisch bedeutsame Verbesserungen der Symptomatik.


3. Sind meine persönlichen Daten bei einer Online-Beratung sicher?

Keine Frage - Datenschutz nimmt in unserem modernen Technologie-Zeitalter eine ganz zentrale Rolle ein. Sowohl in meiner psychotherapeutischen Tätigkeit offline als auch in meiner beraterischen Online-Tätigkeit stelle ich höchste Ansprüche an den Schutz der Privatsphäre meiner Klienten/innen – sowohl durch die strikte Einhaltung der Schweigepflicht als auch durch die Berücksichtigung modernster technischer Standards zur Gewährleistung des Datenschutzes. Letzteres wird unter anderem durch die Verwendung eines verschlüsselten E-Mail-Programms zum Austausch persönlicher Daten sowie eines sicheren Videodienstanbieters sichergestellt. Dieser verwendet eine so genannte „Ende-zu-Ende“-Verschlüsselung nach dem aktuellsten Stand der Technik ohne die Nutzung eines zentralen Servers. Persönliche Daten werden also vom Anbieter weder eingesehen oder gespeichert noch unbefugten Dritten zugänglich gemacht.


4. Technische Tücken bei der Online-Beratung?

Instabile Internetverbindung, ruckelndes Bild, abgehackter Ton und in Folge dessen Achselzucken und fragende Blicke zwischen Berater und Klient/in? All das würde eine Online-Beratung natürlich zu einer mühseligen Angelegenheit machen – doch keine Angst, diese Störfaktoren lassen sich durch wenige Kniffe leicht beheben.


Zu den erforderlichen technischen Voraussetzungen gehören:

  • Ein PC/Laptop/Tablet mit Webcam, Lautsprecher und Mikro

  • Ein funktionierender Browser (z.B. Internet Explorer, Chrome, Firefox, Safari)

  • Ein ausreichend schneller, persönlicher Internetzugang

  • Idealerweise ein Headset mit Mikrofon

Des Weiteren empfiehlt sich ein vorheriger Probedurchlauf zur Überprüfung der verwendeten Technik (Browser, Headset, Webcam). Weitere unterstützende Rahmenbedingungen, die von beiden Seiten sichergestellt werden sollten, umfassen das Abschalten anderer Kommunikationsmittel (Telefon, Handy) und die Vermeidung von externen Störungen (z.B. durch Geräuschquellen oder Personen) während des Gesprächs. Gute Lichtverhältnisse helfen, Mimik und Gestik des Gegenübers angemessen wahrzunehmen. Sollte es doch einmal zu Übertragungsverzögerungen kommen oder nicht klar sein, wie etwas gemeint war, gilt: Einfach noch einmal nachfragen. Sollten Sie sich durch die Videoübertragung unwohl oder irritiert fühlen, kann diese auch jederzeit abgeschaltet werden (vgl. Methoden der Online-Beratung).


Persönliches Fazit - Mein Weg zur Online-Beratung:

Abschließend möchte ich noch einmal zum Titel dieses Blogeintrags Stellung beziehen – nämlich wie ich persönlich auf die Idee zur Online-Beratung stieß. Im Zuge meiner psychotherapeutischen Praxistätigkeit offline mussten sich mit Beginn der Corona-Pandemie sowohl meine Patienten/innen als auch ich uns zwangsläufig auf eine Umstellung der Behandlungen auf Videogespräche einlassen. Dies warf natürlich zu Beginn viele Fragen zur Umsetzbarkeit und des langfristigen Erfolges der Online-Behandlungen auf. Doch erfreulicherweise wurden bereits nach kurzer Eingewöhnungszeit die Vorzüge der Online-Sitzungen für beide Seiten spürbar und die oben genannten Befürchtungen erwiesen sich letztendlich als unproblematisch bzw. irrelevant. Durch diese Erfahrung positiv bestärkt, verwirklichte ich schließlich guten Gewissens die Idee, videobasierte Sitzungen nicht nur im psychotherapeutischen Kontext, sondern auch im Rahmen psychologischer Beratung einzusetzen.*


Sofern ich Ihr Interesse an einem meiner Beratungs-Angebote geweckt habe oder falls Sie weitere Fragen oder noch offene Bedenken in Bezug auf eine Online-Beratung haben, dann kontaktieren Sie mich gerne unverbindlich. Ich freue mich über Ihre Kontaktaufnahme.



*Anmerkung des Autors: An dieser Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, dass eine psychologische Online-Beratung inhaltlich gesehen keine Psychotherapie darstellt oder eine solche ersetzt – der Vergleich der beiden Verfahren in diesem Artikel bezieht sich allein auf den Kontext (online vs. offline), nicht auf die Art der Behandlung. (Weitere Informationen zum Unterschied zwischen psychologischer Beratung und Psychotherapie finden Sie auf meiner Website unter: Psychologische Online-Beratung).


Quellen:


(1) Norwood, C., Moghaddam, N. G., Malins, S., & Sabin‐Farrell, R. (2018). Working alliance and outcome effectiveness in videoconferencing psychotherapy: A systematic review and noninferiority meta‐analysis. Clinical Psychology & Psychotherapy, 25(6), 797-808.


(2) Berryhill, M. B., Halli-Tierney, A., Culmer, N., Williams, N., Betancourt, A., King, M., & Ruggles, H. (2019). Videoconferencing psychological therapy and anxiety: a systematic review. Family practice, 36(1), 53-63.

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